Vor kurzem hab ich einen neuen Weitwanderweg entdeckt, der noch dazu fast genau vor meiner Haustür liegt: der Lebensweg im südlichen Waldviertel. Er wurde durch die Vereinigung der beiden Weitwanderwege Ysper-Weitental Rundwanderweg und Kremstalweg geformt, und erreicht dadurch eine stattliche Länge von rund 260 km, welche in 13 Etappen aufgeteilt sind. Das ergibt pro Etappe auch eine ordentliche Länge.
Die Etappennamen sind dabei angelehnt an Lebensabschnitte: Zeugung, Geburt, Tod, … Zum Start hab ich mir gleich die vorletzte Etappe ausgesucht mit dem etwas düsteren Namen: Tod und danach. Etappenziel ist passenderweise der Marienwallfahrtsort Maria Taferl, in dessen Basilika man dann gleich für die Toten und das Leben nach dem Tod beten kann.
Leiben#
Diese Etappe ist zugleich die kürzeste im gesamten Lebensweg und ich dachte mir, sie wäre ein guter Anfang nach einer überstandenen Verkühlung, um langsam wieder mehr Bewegung in den Alltag zu bringen. So mache ich mich auf nach Leiben, dem Startort dieser Etappe.


Am Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein laufe ich los. Zunächst führt die Straße im Ort hinunter zum Schloss Leiben, biegt aber kurz vor dem Schloss nach rechts ab. Ich mache keinen Abstecher, weil ich diesmal ein bisschen zu spät gestartet bin und noch vor Sonnenuntergang Maria Taferl erreichen will.
Auf einer Straße und dann später Feldweg laufe ich einen leichten Anstieg zum Henzing hoch. Von diesem Hügel erhalte ich einen wunderbaren Ausblick, vor allem an einem solch klaren Tag. Das Donaukraftwerk Melk und sein Staubecken liegen am Fuße des Hügels und wenn man genau schaut, kann man auch das Stift Melk erkennen. Den schönen Nachmittag nutze nicht nur ich. Ein paar Spaziergänger steigen ebenfalls diesen kleinen Hügel hoch. Auch eine Aussichtsplattform gibt es, die ich jedoch nicht besuche.
Dann geht es wieder zurück nach Leiben. Wenn man wollte, könnte man die Etappe hier auch um etliches abkürzen, aber das Panorama am Henzing ist es definitiv wert, einen Umweg zu gehen. Von Leiben laufe ich dann auf der Straße weiter nach Losau. Dort biegt man wieder ab auf einen Feldweg, wo man an einem schönen Tag einen tollen Blick auf die Alpen genießen kann. Es steht dort zum Rasten auch eine herzförmige Bank. Ideal für einen romantischen Spaziergang. Aber das Herz repräsentiert nicht nur die Liebe, sondern auch den Lebensweg als Symbol.
Die Tage zuvor hat es immer wieder geregnet so gestaltet sich der kurze Abschnitt danach, zwischen Losau und Artstetten, als eine matschige Angelegenheit. Eine kleine Quelle, die voll Leben pratschelt, überquere ich mit kleineren Schwierigkeiten. Ein Sprung von Stein zu Stein, fast wäre ich nass geworden.
Schloss Artstetten#
Dann hinab nach Artstetten, das Schloss im Blick. Schloss Artstetten, mit seinen hohen Zwiebeltürmen, ist die letzte Ruhestätte für Erzherzog Franz Ferdinand. Genau jener Erzherzog, der 1914 in Sarajevo erschossen wurde und dessen Mord dann auch den 1. Weltkrieg auslöste. Auch ein kleines Museum ist ihm im Schloss daher gewidmet. Seine Nachfahren sind nach wie vor im Besitz des Schlosses und wohnen auch darin.
Der Wanderweg führt durch Artstetten und am Schlossgarten vorbei bis man wieder einen Wald erreicht. Es geht leicht bergauf. Wieder überquere ich ein kleines Bächlein. Diesmal ohne Probleme. Ich bin jetzt schon geübt darin. Der Wald endet nach einem leichten Bergabstück in Untertalheim, dem letzten kleinen Ort vor Maria Taferl. Von dort laufe ich auf einem Feldweg Richtung Basilika gegen die tief stehende Sonne.
Sonnenuntergang bei der Basilika#
Es ist schon richtig spät und mit der untergehenden Sonne wird es auch merklich kälter. Auch der Wind frischt auf und durchnässt vom Schweiß friere ich ein bisschen. Aber es ist nicht mehr weit. Die Rückseite der Basilika ist auf dem Hügel schon zu sehen. Nur noch den steilen Anstieg rauf nach Maria Taferl vorbei am Golfplatz.
Geschafft. Für den ersten längeren Lauf im Jahr war es anstrengender als gedacht. Vom Balkon vor der Basilika genieße ich noch die im Westen untergehende Sonne, die das Alpenvorland schwach erleuchtet. Immer rötlicher wird der Horizont und im Donautal bilden sich schon erste Nebelschwaden. Es wird kälter. Ohne reichlich Bewegung friert mich noch mehr. Schließlich verabschiede ich mich von der Sonne und Maria Taferl.