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  1. Tagestour/

Erlebniswelt Mendlingtal

· Lesezeit 4 min
Eisenwurzen Klamm
Lambert Widdersinn
Autor
Lambert Widdersinn
Das Wandern ist des Widders Sinn
Inhaltsverzeichnis
Details
  • Distanz 7,0 km
  • Anstieg 160 hm
  • Landschaft

Wild rauscht die Mendling durch ihre enge Schlucht, welche sie über Jahrtausende gegraben hat. Ihre Kraft wurde bis ins frühe 20. Jahrhundert von Holzknechten gebändigt, um geschlagenes Holz schnell in die Öfen der zahlreichen, nahegelegenen Eisenhütten zu liefern. Die Wege und Anlagen verfielen mit dem Ende der Trift. Der Holztransport wanderte auf die Straße.

Gegen Ende der 90er wurde dann die verfallene Triftanlage der Mendling als Zeugnis der Vergangenheit restauriert und in die Erlebniswelt Mendlingtal eingebunden. Die Erlebniswelt zeichnet ein vergangenes Bild der Region, als noch Stämme geschwemmt wurden, die Kohlemeiler rauchten, die Hämmer der Schmieden klirrten, und die Sägen sangen.

Lassing
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Der Morgennebel verhüllt noch das Mendlingtal, doch die Sonne blinzelt schon durch. Startpunkt der Wanderung ist die Ortschaft Lassing. Der erste Kilometer führt zunächst bergab auf einem breiten Schotterweg, kurz vor der Talebene dann über etliche Stufen, bis man das historische Schmiedegesellenhaus erreicht. Dort ist auch der Eintritt für die Erlebniswelt Mendlingtal zu entrichten: für Erwachsene 10 € und Kinder 4,5 € (Stand Saison 2024). Geöffnet hat die Erlebniswelt von 1. Mai bis 31. Oktober.

Schmiedegesellenhaus im Mendlingtal unterhalb von Lassing.

Auch früher wurde Geld für das Passieren verlangt. Nicht weit davon entfernt befindet sich das alte Mauthaus. Der Mendlingpass bei Lassing ist der einzige Pass in den Ybbstaler Alpen, der Niederösterreich und die Steiermark verbindet. Ansonsten muss man nach Mariazell ausweichen, das ungefähr 50 km entfernt liegt. Die heutige Bundesstraße war daher eine wichtige Handelsstraße. Die Bauern aus dem breiten, fruchtbaren Ybbstal lieferten Lebensmittel, Kraut und später Erdäpfel, für die vorindustrielle Kleineisenindustrie rund um den Erzberg. Zurück brachten sie allerhand an Eisenwaren. Ein lohnender Handel.

Mendlingtal
#

Im Schmiedegesellenhaus besuche ich die kleine Ausstellung über das Leben der lokalen Bevölkerung vor über hundert Jahren. In der ehemaligen Rauchküche schwebt noch der beißende Rauchgeruch in meine Nase. Die Türen sind niedrig. Wenn man groß ist, muss man sich ducken.

Draußen gehe ich vorbei am Kräutergarten weiter zur Venezianer-Brettersäge. Zweimal im Monat ist sie in Betrieb. Jeden 1. Sonntag und 3. Samstag im Monat bietet die Erlebniswelt Mendlingtal ein besonderes Spektakel an: eine Schautrift. Zusätzlich sind an diesen Tagen die Säge und die Mühle in Betrieb. Der Antrieb der Säge erfolgt mit Wasserkraft. Ein kleiner Wasserfluss wird von der Mendling abgezweigt und dreht das Wasserrad der Säge.

Diese Art einer Sägemühle hat ihren Ursprung, wie der Name schon andeutet, in Venedig. Für den Bau ihrer riesigen Handelsflotte benötigte die Republik Venedig unzählige Bretter. Dafür wurde Leonardo da Vinci engagiert, der die damaligen Sägemühlen verbesserte.

Der Bach Mendling fließt zur Venezianersäge in der Erlebniswelt Mendlingtal.

Von der Säge kommt man über Stufen und Brücken in die Schlucht. Ein kleiner Damm staut Wasser für die Mühle. Das überzählige Wasser schwappt über und fällt ein paar Meter hinunter. Der erste Wasserfall der Wanderung.

Obwohl ich mich im Gebirge befinde, wo man eher Nadelbäume erwartet, erkenne ich zahlreiche Laubbäume. Eschen, Erlen und Buchen. Ihre Blätter tauchen das Tal in ein wunderbares, warmes, rotes Farbenspiel. Dazwischen blitzt das klare Blau der Mendling hervor, die sich durch den kalten, grauen Fels zwängt.

Bald gelange ich zur Klause, die das Wasser der Mendling aufstaut. Hoch fällt das Wasser hinab. Hier werden die angetriebenen Holzstämme gesammelt. Wenn der Stausee mit Holz voll ist, wird sie geöffnet. Dann rauscht das Wasser durch den engen Kanal und reißt die Holzstämme mit. Ein traumhafter Platz zum Verweilen.

Magischer grüner Stausee im Mendlingtal.

Ich wandere weiter über enge Trampelpfade am Rande der Mendling. Die Holzknechte benutzten diese Wege, um verzahnte Baumstämme wieder zu lösen. Dafür mussten sie manchmal sogar in das eiskalte Wasser. Eine gefährliche Arbeit, die so manchen das Leben kostete. Die Strömung riss sie mit den Bäumen mit.

Gegen Ende des Weges wird das Tal wieder offener. Hier befindet sich eine Mühle, die Wasser von einer kleinen Quelle für ihr Wasserrad abzweigt. Rickeracke!

Max und Moritz wird es schwüle,
Denn nun geht es nach der Mühle. –
„Meister Müller, he, heran!
Mahl’ er das, so schnell er kann!“
„Her damit!“ – Und in den Trichter
Schüttelt er die Bösewichter. –
Rickeracke! Rickeracke!
Geht die Mühle mit Geknacke.
Wilhelm Busch. Max und Moritz. 1885.

Max und Moritz werden glücklicherweise nicht in dieser Mühle gemahlen, sondern Mehl. Das Mehl eignete sich perfekt für den Transport in entfernte Lande. Aber auch die Holzknechte konnten es für ihre Mahlzeiten brauchen. Sie kochten im Wald ihre einfache, karge Kost. Mehl, Schmalz oder Butter, Milch und Wasser. Mehr brauchten sie nicht für Muas oder Nocken.

Hammerherrenhaus
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Nach der Mühle fließt das Wasser wieder ruhiger. Ich komme an Fischteichen vorbei, wo sich unzählige Fische tummeln. Diese waren den reicheren Herrschaften vorbehalten, den Hammerherren, die Besitzer der Schmieden und Hämmer. Am Ende des Weges, kurz nach den Teichen, befindet sich ihr Anwesen, das stattliche Hammerherrenhaus. Hier kann man heutzutage eine Rast einlegen. Bewirtet wird man von den Pächtern des Hauses. Auch der zweite Eingang und Kassa in das Mendlingtal ist in diesem Haus untergebracht.

Abschließend wandere ich wieder durch das Mendlingtal zurück zum Parkplatz in Lassing. Die ganze Runde ist nicht sonderlich lang, hin und zurück 7 km. Die schöne Herbstszenerie erhellt das Gemüt. Ein schöner Ausflug.

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